Elternveranstaltung. Am Montag, 24. Oktober, fand im Theatersaal des Rathauses die Elternveranstaltung des Elternzirkel mit dem Titel «Alltag mit Kindern – so habe ich mir das nicht vorgestellt» statt. Als Referent konnte der kompetente Kinderarzt und Facharzt im Bereich der Entwicklungspädiatrie Sepp Holtz gewonnen werden.

 

Gleich zu Beginn gelang es Sepp Holtz mit fesselnden Praxisbeispielen die Anwesenden abzuholen. Zwischen kurzen Videosequenzen aus seinem Alltag als Kinderarzt vermittelte er sein grosses Wissen praxisnah. So erfuhren die Anwesenden, dass Kinder in den ersten Jahren ihr Verhalten vor allem durch das Abschauen bei Eltern, Geschwistern und Bezugspersonen erlernen. Demnach lernen Kinder an der Vorbildfunktion und gehorchen aus der Beziehung heraus. In dieser Zeit können Kinder spielerisch abgeholt und mit Kreativität um den Finger gewickelt werden.

Im Alter von dreieinhalb bis vier Jahren erlangen Kinder die Fähigkeit die Gedanken der Mitmenschen zu erschliessen und können in die Perspektive eines anderen Menschen wechseln, die theory of mind. Meist beginnen sie zu diesem Zeitpunkt mit Lügen und Stehlen. Süffisant meinte Sepp Holtz, dass dieses Verhalten in diesem Alter positiv zu werten sei, denn die Kinder haben den grossen Entwicklungsschritt des Perspektivenwechsels vollbracht.

 

Konflikte selbst lösen lassen

Sepp Holtz erklärte den Anwesenden, dass Kinder streiten müssen. Dies gehört zu ihrer Entwicklung ganz einfach dazu. Gerade die Familie ist ein wichtiges Übungsfeld. Die Kinder sollen dabei immer die Möglichkeit bekommen ihren Streit selbst zu lösen. Allzu schnell schalten sich Eltern oder Betreuungspersonen in einen Streit ein, obwohl es reichen würde, die Situation zu beobachten. Ganz oft kann festgestellt werden, dass Kinder unmittelbar nach einem Streit wieder miteinander spielen und die Streitsituation vergessen ist.

Aus dem Publikum wurde die Frage zum Mittagstisch aufgeworfen, ein häufiger Streitpunkt in Familien. Alle kennen wohl die Situation, dass etwas Feines gekocht wird, was der Nachwuchs jedoch gar nicht schätzt. Sepp Holtz meinte dazu, dass die Eltern entscheiden, was auf den Tisch kommt. Die Kinder ihrerseits entscheiden, was und wie viel sie davon essen.

 

Erholungsinseln

Im herausfordernden Alltag mit Kindern ist es entscheidend, dass die Bezugsperson in stressigen Situationen mit Ruhe und Gelassenheit reagiert. Dazu ist es für die erziehende Person wichtig, sich Erholung zu gönnen und sich selbst hin und wieder etwas Gutes zu tun. Selbst ausgeglichen zu sein hilft, für die Kinder eine verlässliche Stütze zu sein.

 

Mit einigen guten Inputs, welche im Alltag umsetzbar sind, gingen die Anwesenden nach Hause. Mehr Antworten auf die vielen Erziehungsfragen aus dem Alltag beantwortet Sepp Holtz mit seiner Tochter im Podcast Familienbande der ProJuventute.